MARKT-ANALYSE
18.08.2025

Zinsen: Tanz auf dem Vulkan

US-Präsident Trump legt die Axt an der Unabhängigkeit der FED an. Das zeigt sich bereits deutlich in der Zinsentwicklung – und hat möglicherweise auch Implikationen für den europäischen Aktienmarkt und unsere Musterdepotauswahl.

Die Anleger setzen relativ klar auf baldige Zinssenkungen der FED. Am kurzen Ende, bei zweijährigen US-Staatsanleihen, beträgt die Rendite aktuell nur noch etwas mehr als 3,7 % und liegt damit nah am Mehrjahrestief – und deutlich unter dem Leitzins von 4,25 bis 4,5 %. Die bislang ausgebliebene Beschleunigung der Inflation scheint diese Ansicht zu stützen. Aber am langen Ende bewegen sich die Renditen auf deutlich höherem Niveau. Das ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

Zinsstruktur ändert sich

Verglichen mit Mitte Oktober 2024, kurz vor der Wahl von Trump, sind die Zinsen am kurzen Ende um 0,2 Prozentpunkte gesunken – obwohl der US-Präsident mit seiner Zollagenda die Inflationsrisiken erhöht hat. Aber ein deutlicher Anstieg der Inflation ist bislang ausgeblieben, und die Anleger setzen darauf, dass durchaus vorhandene Signale für eine wirtschaftliche Abkühlung und das Trommelfeuer von Trump die FED letztlich zu der nächsten Zinssenkung führen. Zugleich haben am langen Ende, bei 30-jährigen, die Renditen seit Oktober aber um fast 0,6 Prozentpunkte zugenommen. Die Zinsstrukturkurve wird damit immer steiler.

Trump sägt an den Grundpfeilern der Wirtschaft

Das kann höhere Wachstumserwartungen widerspiegeln – oder gestiegene Inflationsrisiken. Wir sehen hier eher letzteres eingepreist. Denn Trump attackiert den FED-Chef offen für seine Zinszurückhaltung und fordert einen deutlich offensiveren Kurs. Und könnte sich letztlich durchsetzen – auch wenn die Neubesetzung des Notenbank-Führungsgremiums schwieriger ist als bei anderen Behörden. Damit könnte aber der Glauben an die Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr geraten, eine zentrale Determinante der Inflationserwartungen. Laufen diese aber aus dem Ruder (und damit die Zinsforderungen), könnte die US-Regierung angesichts von 37 Bio. US-Dollar Staatsschulden und eines Haushaltsdefizits von 6,2 % in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.

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Fazit

Trumps Attacken auf die FED, um sie zu einer laxen Zinspolitik zu nötigen, sind ein Tanz auf dem Vulkan. Sollten letztlich die Inflationserwartungen nach oben schießen, und damit die Zinsforderungen, hätte die US-Regierung ein Problem. Noch ist es relativ ruhig, aber die immer steilere Zinsstruktur werten wir als Warnsignal.

Eine Flucht aus den USA könnte allerdings für den europäischen Markt auch positive Konsequenzen haben und Aktien ebenfalls stützen, was auch unseren Musterdepottiteln zugutekommen würde.

Seit seiner Auflage im Juni 1999 hat das Musterdepot des Anlegerbriefs bereits eine Rendite von 3.005 % erzielt, während der DAX im gleichen Zeitraum um 353 % gestiegen ist (Stand 18.08.2025, 17:45 Uhr).

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